Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag 2026

„Nie wieder ist jetzt – Demokratie in Zeiten ihrer Gefährdung“

Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums nehmen den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zum Anlass und schildern am Dienstag, 27. Januar 2026, um 19:30 Uhr, in der Stadtbibliothek Gütersloh unterschiedliche Perspektiven und individuelle Eindrücke ihres Besuchs der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Der 27. Januar ist der internationale Tag des Gedenkens an den Holocaust. In diesem Jahr soll besonders die Bedeutung der Demokratie als Lehre aus Auschwitz betont werden.

„Die Begegnung mit Auschwitz hat meine Sicht auf die Gegenwart verändert“, berichtet Loresa Buzolli, Mitglied der Projektgruppe des Städtischen Gymnasiums. „Bei dem Versuch, uns der Geschichte des Holocaust und insbesondere der des Konzentrations- und Vernichtungslagers zu nähern, bewegen wir uns immer wieder zwischen den abstrakten Zahlen und Fakten auf der einen Seite und den unzähligen menschlichen Schicksalen auf der anderen“, ergänzt Ben Steuernagel. Ian Witts erinnert sich besonders auch daran, dass der Tod in Auschwitz auch heute noch spürbar ist, wenn kein Vogel im Vernichtungslager singt, und das mitten im Sommer. Durch die Verlesung der Namen der Gütersloher Opfer zeigt die Projektgruppe, dass die NS-Vernichtungsmaschinerie nicht nur im 1.000 Kilometer entfernten Auschwitz stattfand, sondern durch die Verfolgung, Entrechtung und Diffamierung der jüdischen Opfer – auch hier in Gütersloh – vorbereitet wurde und den Völkermord an den europäischen Juden erst ermöglichte.

„Die Schülerinnen und Schüler zeigen ganz konkret Gesicht gegen das Vergessen, um zu verdeutlichen, dass ihnen auch fast 80 Jahre nach der Befreiung Auschwitz die Erinnerung an den Holocaust und das Gedenken an die Opfer wichtig ist“, betont Kathrin Blanke, Geschichtslehrerin am Städtischen Gymnasium und Begleiterin der Projektgruppe. Mirco Heidenreich, der ebenfalls die Projektgruppe begleitete, sieht in der Auseinandersetzung mit Auschwitz eine Voraussetzung für die Überwindung von Hass und Gewalt in der Gegenwart.

Dr. Siegfried Bethlehem und Britta Jünemann rahmen den Beitrag der Projektgruppe durch Reflexionen ein, die sich der Bedeutung der Erinnerungskultur widmen. „Gerade in Zeiten der Gefährdung der Demokratie müssen wir aufstehen, wenn Antisemitismus wieder um sich greift. Denn der Völkermord begann nicht erst 1941. Er begann mit der Gewöhnung daran, dass Jüdinnen und Juden aus unserer Gesellschaft herausdefiniert wurden, dass ihnen das Menschsein abgesprochen wurde“, sagt Britta Jünemann. Und Siegfried Bethlehem setzt sich in seinem Beitrag dafür ein, dass der Besuch einer Gedenkstätte ein zentrales Moment demokratischer Erziehung ist. „Alles, was einmal war, was als menschliches Handeln auftrat, kann sich wiederholen. Dann ist die Erinnerung die Möglichkeit der Gegenwart, sich bewusst zu sein: Das Böse ist auch eine Möglichkeit der Moderne, gegen die sich jede Gegenwart zu wappnen hat.“

Die Veranstalter bitten am Ende um eine Spende für die Gedenkstätte Stalag 326 Stukenbrock. Bis zu 70.000 sowjetische Kriegsgefangene kamen dort ums Leben. Unter der Federführung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe soll der Erinnerungsort bis 2029 zu einer nationalen Gedenkstätte ausgebaut werden.